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Dirk Schäfer – The Street Fighting Man, Boxer, Stadtindianer, Red Sheperd Stone, Scout, Querkopf, Straßenmusiker…? von Herbert Weisrock
Wie lange kenne ich schon Dirk? So, Anfang der 1980er Jahre würde ich mal sagen… Es war glaube ich in der „Guten Quelle“ – dem Vereinslokal der Band eukalyptus (in der ich Saxophon gespielt habe). Eine Zeit lang waren Atze - der Bandleader und Gitarrist - und ich fast so etwas wie Stammgäste dort. Es hing sogar mal ein eukalyptus - Erinnerungsbild mit Foto, Cartoons und witzigen Sprüchen von unserem Drummer Holger Lüdke dort. ---> Halber Liter Bier (schön kühl aus dem Keller) kostete damals 1,02 Mark. “DAS PERLT...” hätte Dittsche gesagt... Ein Paar dicke Bouletten von Inge für nur - ich glaube- 1,50 Mark... Für rund 10 Mark konnte man sich schön satt Abfüllen. Kneipenchef “Horst Theiner, keiner ist kleiner” …hieß es ...und Manner der Kellner war manchmal auch sein bester Gast… Man musste vor 21.30 Uhr rechtzeitig noch Bier bestellen, denn um 22.00 Uhr war Schluß!!! Das klappte nicht immer – nur wenn alle Gut drauf waren. Spaß hatten wir trotzdem. Ja so war das damals in der ollen DDR. Klingt irgendwie NIEDLICH... war´s aber nicht immer! Irgendwann tauchte Dirk Schäfer dort auf. Dirk war eigentlich (Amateur)Boxer beim SC Traktor Schwerin. Dieser Boxclub brachte viele Olympiasieger, Europameister, DDR-Meister und Deutsche Meister hervor (www.boxen-in-schwerin.de). Dirk war auch zweimal DDR-Meister im Bantamgewicht (1980 und 1981). Er hat auch International (sogar in Atlantic City - USA) für die olle DDR geboxt und hätte sicherlich auch noch eine glänzende Kariere vor sich gehabt, wenn er nicht damals schon ein Querkopf gewesen wäre. Die Geschichte die jetzt folgt, habe ich natürlich nur gehört (von verschiedenen Personen). Ich sage das nur vorher, falls sich Jemand auf seinen Schwanz getreten fühlt, den er vielleicht gar nicht hat … (Atze sagte immer: “... er ist kleiner als du denkst !“ und “... meiner ist nicht lang - aber ungemein dünn!”) Also, Dirk sollte in eine andere, kleinere Gewichtsklasse (Fliegengewicht) abhungern. Außerdem gab es im Club noch einen zweiten guten Boxer in seiner Gewichtsklasse. Dirk wollte aber nicht so recht… Jedenfalls ging er irgendwann weg vom Club, später zum Sportstudium an die DHfK Leipzig. Da wurde er dann auch Mitglied und trat 1984 nun im Federgewicht (eine Klasse höher als Bantam) im Kampf um die DDR – Meisterschaft an… Er kämpfte sich bis ins Halbfinale vor und musste gegen einen ehemaligen Clubkameraden antreten. Sieger wurde er nicht… es durfte nicht sein was nicht sein darf. Die Punktrichter hatten wahrscheinlich Tomaten vor den Augen bekommen. Kennt man ja... Moralisch glaube ich, war er aber Sieger… Aber was zählt die Moral? Dirk begann jedenfalls Gitarre zu spielen (tut auch nicht so weh wie Boxen) und traf in der Quelle den Schweriner Gitarren-Titan Atze Niemann und andere Musiker und stellte dabei fest, das es auch noch ein anderes Leben nach dem Sport gab. 1986 begann ich dann im Theater Schwerin als Bühnentechniker (rechte Bühnenseite) zu arbeiten und Dirk war ein Kollege von mir. Viele lustige Geschichten gibt es aus dieser Zeit… (…ein Kollege an den Vorhang… …hast ma ne Mark? Nee, nur fünf… …Lagerfeuermusik und Mädels…aber die Geschichten lass ich mal lieber...) In dieser Zeit begann Dirk immer öfters auch auf öffentlichen Straßen und Plätzen zu musizieren. Das ging natürlich nicht! Die VOPOs (Volkspolizei) haben ihn des öfters die Gitarre abgenommen und verwarnt. Er holte sich die Gitarre nach ein paar Tagen immer wieder ab und… machte WEITER!!! Schon wieder dieser Querkopf. Auch zur Wendezeit – 1989 – war Dirk ziemlich aktiv. Ich erinnere mich an eine Episode: Im Theater - nach den ersten großen Demos - war zu einer Dialogrunde eingeladen worden. Im Saal viele Theaterleute und Kollegen, auf der Bühne Parteifunktionäre und andere Pappnasen von der regional Führungsspitze des Bezirkes Schwerin in der ollen DDR. Allerdings nur mit Mikrophon und ohne Rednerpult (hinter dem konnten sie sich nun nicht mehr verstecken - sah irgendwie ulkig aus). Wir Techniker, wollte noch einen Hut von der Decke zur gegebenen Zeit herabseilen, nach dem Motto: „… und Tschüß“. Uns es aber letztendlich doch noch nicht getraut. In der hitzigen Diskussion rief der Genosse Pietsch (Kreisparteisekretär ? der SED) - ein kleiner, gedrungener, untersetzter Ich-war-auch-einmal-ein-Arbeiter-Ich kann-Euch-verstehen-Typ – auf einmal: „Ich habe immer mit angepackt, früher schon, ja… wirklich... und die Ärmel kann ich auch hochkrempeln.“ Darauf Dirk aus dem Publikum: „Da wirst du auch bald wieder Zeit für haben!“. Großes Gelächter… damit waren sie nur noch einfach lächerlich... In den 90ern fing Dirk dann an auf der Straße zu musizieren und auch davon zu Leben. Es ist bestimmt nicht immer einfach bei Wind und Wetter, auf die Gunst der Vorübereilenden, auch Beschimpfungen und mittlerweile auch wieder Polizeieinsätze über sich ergehen zu lassen. In Schwerin gibt es ein, meiner Meinung nach, ziemlich unsinniges Gesetz für Straßenmusiker. Eben typisch Deutsch! Wie die Zeiten sich doch manchmal wiederholen… „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder“… Aber Dirk hat viel mehr gute Zeiten! Spielt allein, mit Band und auch mit jungen Musikern in Clubs, Wohnungen, Bluessession, Partys, Honky Tonk Kneipentour und auf Festivals (z. B. 4. OpenAir Hof-Drieberg 2006) und im Herbst sein FIRST WALTZ im Hotel Elefant in Schwerin. Aber auch in anderen Städten spielt Dirk, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Zusammen mit Des Baader (der Australier) – einem ebenfalls immer wieder in Schwerin spielenden ONE MAN BAND MUSIKER – ist er durch Europa getourt, hoch bis nach Norwegen. Günter Emmerlich (Opernsänger und Showmaster) sang mit Dirk zusammen in einer TV-Sendung über Schwerin auf der Straße den Beatles Song „Let it be. „Aufgenommen“ wurde Dirk schon bei vielen Gigs und im Studio. Veröffentlicht auf CD hat es noch keiner. Nun aber bei dachboden-records! Dirk inzwischen zu einem sehr guten Musiker gereift, auch wenn es für manche nicht so einfach ist unter seiner Direktion zu spielen. Seine Meinungsäußerungen für viele manchmal recht drastisch und eigenwillig sind. Er ist immer noch ein Querkopf, aber eins ist er: EHRLICH!
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